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Das Professional Guitar Program – Ein Erfahrungsbericht von Fabian Streich

Nach dem Abitur stellt sich für viele die Frage, wie sie ihr weiteres Leben hinsichtlich des Berufes gestalten wollen. Auch für mich stellte sich diese Frage und sie war anfangs nicht einfach zu beantworten.

Jura, Medizin, Biologie, Physik – nicht dass mein Abitur so gut gewesen wäre, aber man muss ja alles mal überdacht haben – Mechatroniker, Metzger, Bürokaufmann, Puppenspieler, Lehrer, Tontechniker... eine endlos lange Liste mit Studien- und Ausbildungsfächern.

Nach Überdenken der Möglichkeiten, die der konventionelle Weg bietet, stand aber auch sehr schnell fest, dass es wohl das beste für mich wäre, den unkonventionellen Weg zu gehen. Anstelle stickiger Büroatmosphäre, Aktenwälzerei, Bildschirmflimmern, sich mit Beschwerden von Kunden rumschlagen zu müssen, in der Hitze auf dem Bau zu schuften und um Punkt 7:30 Uhr morgens anzufangen und sonstiger mit dem freien Geist schwer zu vereinender Regelmäßigkeiten, doch lieber meinem Hobby, meiner Passion, meinem Herzen folgen und den Weg des Künstlers, des Musikers einschlagen. Um 12 Uhr aufstehen, den ganzen Tag Gitarre spielen, Studiojobs erledigen, Schülern was beibringen und Abends ein grandioses Konzert geben, um am nächsten Morgen wieder um 12 Uhr mit leichten Kopfschmerzen aufzuwachen, weil nach dem Konzert das Bier doch zu gut geschmeckt hatte. So oder so ungefähr sollte das ablaufen.

Doch was einen als Musiker in der Anfangsphase, in der ich mich noch immer befinde, wirklich erwartet, davon hatte ich nicht ganz so viel Ahnung.

Um von Musik und dem Gitarrespielen leben zu können, benötigt man ein gewisses Maß an Können, weil man dem oder derjenigen, die einem für sein Geklimper was bezahlen soll, ja auch was bieten muss. Nachdem ich nur ein Jahr lang Gitarrenunterricht genommen und mich durch so einige Bücher gearbeitet hatte, schien mir das doch etwas zu wenig zu sein. Ich schaute mich also nach Möglichkeiten um, mein Gitarrenspiel weiter zu verbessern. Nach meinen Recherchen gibt es in Deutschland nur wenige Schulen, an denen man "moderne" Musik machen kann. Und nachdem ich mir die Aufnahmebedingungen dieser Schulen angeschaut hatte, waren es noch weniger, weil man für viele zusätzlich ein weiteres Instrument (im Falle eines Gitarristen fast ausschließlich Klavier) zumindest ansatzweise beherrschen muss, um aufgenommen zu werden. Da ich Klavier zwar mal begonnen, aber nie ernsthaft verfolgt hatte, blieben nur noch zwei Schulen übrig, zwischen denen es sich zu entscheiden galt. Um ungefähr die selbe Zeit endete auch mein Videofernunterricht bei der NMA, den ich ab Level 3 bis zum "Diplom" bearbeitet hatte. Anbei war ein Hinweis zum "Professional Guitar Day", der als Aufnahmeprüfung zum einjährigen Profistudium des Professional Guitar Program diente.

Da mir der Videofernunterricht zum einen eine Menge Spaß und zum anderen mich um Welten voran gebracht hatte, stand für mich die Entscheidung fest: Ich wollte keine der beiden konventionelleren Schulen besuchen, sondern nach Offenbach fahren, um dort die Aufnahmeprüfung zu machen. Nach einigem Mailkontakt mit einem gewissen Herrn Gebel (Näheres folgt) und einem lokalen Missverständniss (ich dache, die NMA sei in Köln, warum auch immer) stand ich also an besagtem Professional Guitar Day vor der Eingangstür der NMA in der Lindenstrasse in Offenbach [Anm. d. Red.: mittlerweile sind wir umgezogen und residieren in schönen neuen Räumen in der Strahlenbergerstraße].

Der Professional Guitar Day beginnt entspannt um 11 Uhr morgens bei einer Tasse Kaffee aus der vollautomatischen Kaffeemaschine in der "Lounge" der NMA. Nach (in meinem Fall, komme aus dem Umland von Stuttgart) zweistündiger Autobahnfahrt mit Stau, ist der Kaffee auch bitter notwendig, um sich wieder mit Energie zu versorgen. Man stellt sich vor, unterhält sich, lernt die anderen Teilnehmer und den Headteacher Tim Gebel kennen, der einen durch den Tag führt und einen am Ende, falls man es möchte, testet. Bei bestandenem Test kann man am Profistudium teilnehmen, bei nichtbestandenem Test eben nicht. So far so good...

Die NMA zieht dabei Leute aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands an, von Fulda über Karlsruhe, Stuttgart bis nach Hamburg, alle aus den unterschiedlichsten Gründen: Musiker, die ihr Wissen und Können erweitern wollen, Sänger die sich an der Gitarre ausbilden lassen, um ihre Songwriting-Fähigkeiten zu verbessern, Studenten, die neben ihrem normalen Studium ihren "Traum" weiter verfolgen wollen oder eben jene, die von Grund auf zum Profimusiker geschult werden möchten.

Nach dem Kennenlernen beginnt der Unterricht, das heißt, man durchläuft einen ganz normalen Unterrichtstag wie er im PGP jeden Montag stattfindet. Harmonielehre, Gehörbildung, danach Singlestring ("Sologitarre") und Rhythm Guitar und abschließend ein Stück mit dazugehöriger Improvisation. Auf diese Art und Weise bekommt man den Ablauf der Fächer sowie den Inhalt in Kurzfassung mit und kann individuell für sich entscheiden, ob einem das zusagt oder nicht.

Ich war von Anfang an von der Umgebung, aber vor allem von dem Lehrer, der Atmosphäre, dem Lehrsystem und dem Lehrplan total begeistert und stand einige Zeit später, nachdem ich die Aufnahmeprüfung bestanden hatte, voller Vorfreude und riesigen Erwartungen im Stau auf dem Heimweg.

Der Unterricht findet einmal pro Woche statt, was für mich bedeutete, dass nach Frankfurt umzuziehen finanziell keinen Sinn machte. Also entschied ich mich zuerst für die Anreise mit der Bahn, was auf Dauer aber eine teure Angelegenheit ist. Später ergab sich glücklicherweise eine Fahrgemeinschaft, die die Anreise vereinfachte und um ein vielfaches verbilligte! Man sollte sich also, besonders als junger Erwachsener, Gedanken über die Anreise machen.

Ab 10 Uhr treffen dann nach unterschiedlich langen Anfahrtswegen die Schüler und die beiden Dozenten Tim Gebel und Björn Müller, die gemeinsam durch das PGP führen, ein. Man unterhält sich in entspannter Stimmung bei einer Tasse Kaffee und einer Zigarette, bevor es dann ans Eingemachte geht. Die Unterrichtsmontage beginnen um 10:30 Uhr und enden gegen 18 Uhr abends. Den Rest der Woche hat man (je nach Beruf oder Zeiteinteilung) zur Aufarbeitungen der behandelten Themen Zeit. In meinem Fall, da ich das PGP als Studium betrachtet und nichts nebenher gemacht habe, um mich darauf zu konzentrieren, hatte ich genügend Zeit, um alles ausreichend zu behandeln und zu üben. Von Mitstreitern, die nebenher entweder Studium oder Beruf zu bewältigen hatten, hörte ich jedoch öfter Klagen, dass alles nur sehr schwer unter einen Hut zu bringen sei. Für mich war eher das Problem das ich zuviel Zeit hatte und wenn man soviel Freiheit hat, muss man sehr diszipliniert und mit System vorgehen, um an allem wirklich zu arbeiten.

Mein Übungsplan umfasste täglich sechs Stunden. Leider konnte ich auf Grund häufiger Krankheit nicht das volle Potenzial ausschöpfen. Man sollte sich also nichts vormachen! Wer wirklich gut werden will, der muss arbeiten! Üben gehört zum Musikerdasein dazu wie Doppel D zu Dolly Buster oder sowas. Talent spielt eine große Rolle, um kreativ mit Musik umgehen zu können, aber mechanische Dinge wie Technik, Fingersätze, Arpeggien bekommt man ohne zu üben nicht in den Kopf und nicht unter die Finger. Was das Thema Üben angeht wird man aber während des PGPs auch des öfteren energisch von Tim Gebel darauf hingewiesen. Es erforderte einige Eingewöhnungszeit, bis ich mich an das tägliche Üben gewöhnt hatte, aber nach einiger Zeit wird es ganz natürlich und hinterließ bei mir ein freies, entspanntes Gefühl.

Die Fächer am PGP-Montag sind jede Woche dieselben: Man beginnt mit Harmonielehre und Gehörbildung, gefolgt von Sightreading (vom Blatt spielen), dann Singlestring und Rhythm Guitar. Zum Abschluss lernt man jeden Montag ein Stück und jamt dazu, um das Gelernte vom Tag gleich anzuwenden. Natürlich nehmen sich die beiden Dozenten immer die Freiheit, den "Stundenplan" an die Bedürfnisse der Schüler anzupassen. Björn Müller und Tim Gebel wechseln sich hierbei jeden Montag ab. Man hat also jeden kompletten Schultag entweder den einen oder den anderen Lehrer, was bei der doch sehr verschiedenen Spielart und unterschiedlichen Herangehensweisen an die Themen eine tolle Mischung bietet. Behandelt wird wirklich die ganze Bandbreite des Gitarrenspiels in jeglichen Stilistiken: Funk, Blues, Rock, Jazz, Bossa, Reggae, Major, Minor, Modes, Harmonisch Moll, Harmonisch Dur, Melodisch Dur, die komplette Harmonielehre, Chords (maj7, dom7 usw.), Triads, Arpeggien, Sweep Picking, Hybrid Picking – wirklich alles, was man mit der Gitarre anfangen kann. Auf ein Jahr verteilt kann man sich vorstellen, dass das eine riesige Menge an Wissen ist, was einem vermittelt wird. Das Material an der NMA reicht locker aus, um die nächsten 10 Jahre zu üben! Wird aber sehr ausführlich erklärt, bearbeitet und lässt sich daher gut bewältigen. Um das alles zu meistern wird man allerdings noch etwas mehr Zeit einplanen müssen.

Eine weitere Besonderheit der NMA sind die Specialworkshops mit beeindruckenden Gastgitarristen wie der Jazz Legende Mike Stern, Errorhead Gitarrist Marcus Deml oder dem Country-Blues-Aushängeschild von Fender Greg Koch (das sind die, die ich miterlebt habe), die einem Tips und Licks geben und aus dem Musikeralltag erzaehlen.

Zum Beispiel in der Kaffeepause mit Marcus Deml über seine Studioerlebnisse mit Steve Lukather plaudern, einfach ein fantastisches und prägendes Erlebnis, solche Profis so hautnah erleben zu können! Am Schluss gibt es noch einen Abschlussprüfung, in der man von beiden Dozenten auf Herz und Nieren getestet wird und dann, falls man sich bewährt hat, ein Abschlusszertifikat der newmusic.academy.

Abschließend kann ich jedem, der sich an der Gitarre um Welten verbessern will (die nötige Passion und Arbeitsbereitschaft vorausgesetzt) und in cooler Atmosphäre von zwei spielerisch sowie menschlich absoluten Topdozenten unterrichtet werden möchte, das PGP an der NMA wärmstens empfehlen! Ich bin zur Zeit am G.I.T. in Hollywood und habe hier dank der NMA absolut keine Einstiegsprobleme und kann mein Wissen hier noch weiter im Detail verbessern!

An dieser Stelle danke an Tim Gebel und Björn Müller für die lehrreiche und coole Zeit!

Abschließen möchte ich das Ganze mit einem Zitat von meinem Gitarrenidol, und wahrscheinlich auch dem Grund für meine Passion für Musik und die Gitarre!

"Playing guitar is one of the great joys of being alive!", Paul Gilbert.

Keep that in mind...

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